Auf eine nachhaltige Zukunft!

Seit fast 100 Jahren fertigt Ritter-Pen im Odenwald Schreibgeräte in eigener Produktion. Die Philosophie „Von der Idee bis zum fertigen Produkt“ gilt dabei heute noch wie zu Gründungszeiten. Mit seinen Kernkompetenzen in Werkzeugbau, Kunststoffspritzguss, Veredelung und Montage ist das Unternehmen ganzheitlich aufgestellt und kann positiv in die Zukunft schauen.

Tradition und Standort

Dass im beschaulichen Brensbach im Odenwald einer der führenden Spezialisten für die Produktion von Schreibgeräten seinen Sitz hat, liegt zunächst nicht unbedingt auf der Hand. Doch schon 1932 wurden hier die ersten thermoplastischen Kunststoffe verarbeitet. Seit den 1990er Jahren ist Ritter-Pen selbst auf dem Werbeartikelmarkt aktiv. Bis heute werden die Schreibgeräte von Ritter-Pen im Odenwald in der eigenen Fabrik hergestellt.

„Vom Design über die Werkzeuge, den Spritzguss und die Montage bis hin zu Druck und Versand – alles läuft direkt hier bei uns ab“, so Frank den Daas, der seit dem Frühjahr das Team der Geschäftsführung um Arno Ritter unterstützt.

Qualität zahlt sich aus

Besonders stolz ist man bei Ritter-Pen unter anderem auf den hauseigenen Werkzeugbau, denn Werkzeugmacher gibt es immer weniger. Schon seit einiger Zeit bietet die Unternehmenssparte Ritter Tech die Option, auch für andere Wirtschaftszweige die Konstruktion von Spritzgießwerkzeugen, die Herstellung von Kunststoffteilen oder die Fertigung von 3- und 5-Achs-Frästeilen zu übernehmen.

Auch die Formen für die Schreibgeräte von Ritter-Pen werden in der eigenen Werkstatt hergestellt. „Bis eine einzelne Spritzgussform final produziert ist, kann es schon mal drei bis vier Monate dauern“, berichtet den Daas. „Natürlich ist es aufwendig und kostenintensiv, die Formen herzustellen, dafür sind sie aber auch extrem haltbar.“ Da Ritter selbst für hohe Stückzahlen produziert, genießt Ritter Tech auch in anderen Branchen einen guten Ruf.

Die fertigen Spritzgussformen werden dann nur wenige Meter weiter in der Spritzerei eingesetzt. Mehrere Mitarbeiter sind für die Maschinen verantwortlich, die regelmäßig mit neuem Kunststoffgranulat aufgefüllt werden müssen. „Die Anforderungen an unsere Mitarbeiter werden stetig höher, denn durch die Materialvielfalt gibt es mehr zu beachten. Jedes Material braucht einen anderen Einspritzdruck, eine Abweichung von 0,5 bar kann da viel ausmachen“, erklärt Arno Ritter.

Grüner Fokus

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt im Hause Ritter-Pen eine große Rolle. Dies spiegelt sich nicht nur darin wider, dass das Unternehmen einen Großteil seines Strombedarfs mithilfe der eigenen Photovoltaikanlage auf den Dächern seiner Firmengebäude deckt, sondern auch in der Spritzerei. Angüsse, die beim Herstellen der Teile entstehen, werden gesammelt und im Sinne der No-Waste-Politik wieder der Produktion zugeführt. Insbesondere das Modell Insider Recycled besteht zu 100 % aus ABS-Regenerat.

Der Insider Recycled und zahlreiche weitere Modelle werden unter dem Label Ritter Cares angeboten. Für umweltbewusste Käufer findet sich hier eine variantenreiche Vielfalt an Stiften, die aus Pappe, Post-Consumer-recyceltem ABS-Kunststoff, aus biobasiertem PLA, Celluloseacetat oder seit Kurzem dem innovativen Material PHA hergestellt werden.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte Ritter-Pen durch eine Zusammenarbeit mit der Drogerie-Kette dm: Aus ausgedienten Warentrennern entwickelte Ritter Kugelschreiber, die aus 100 % Polycarbonat-Rezyklat bestehen. Die Kugelschreiber wurden speziell für dm realisiert und in der Werbeartikelbranche unter anderem mit dem Promotional Gift Award ausgezeichnet. Ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Ritter nicht nur eigene Ideen umsetzt, sondern auch in engem Austausch mit den Kunden spannende Produkte entwickelt.

Während die Herstellung der Schreibgeräte selbst in Brensbach erfolgt, gibt es noch einige Zubehörteile, die nicht aus Kunststoff bestehen und nicht von Ritter selbst hergestellt werden. Diese werden möglichst regional hinzugekauft oder aus Europa importiert. „Wir arbeiten überwiegend mit langjährigen Partnern. Einer dieser Partner ist unter anderem unser Minenlieferant. Trotz des räumlichen Abstands nutzen wir diese Minen, da die Qualität einfach stimmt. Wenn wir dann in Zusammenarbeit Minen mit recyceltem PP-Gehäuse anbieten können, stimmt auch die Geschichte, was für uns sehr wichtig ist“, erläutert den Daas.

Einzelne Metallteile wie die Clips oder Spitzen, die an einigen Modellen im Ritter-Sortiment verarbeitet sind, werden möglichst aus regionaler Produktion bezogen, sodass die Lieferwege möglichst kurz gehalten werden. „Alles selbst herzustellen ist einfach nicht möglich. Gerade im Bereich Minen oder auch Metallclips braucht man andere Expertise, da setzen wir gerne auf unsere Partner“, ergänzt Ritter.

Detailverliebt in der Veredelung

Auch wenn es um die Veredelung geht, setzt das Unternehmen auf kurze Wege. So stehen in der hauseigenen Druckerei Maschinen für den Sieb- und Digitaldruck zur Verfügung, aber auch mehrere Maschinen, die drei- oder sogar fünffarbige Drucke durchführen können. Immer wieder werden hier neue Maschinen, wie die Dreifarb-Druckmaschine, ergänzt, um glänzende Ergebnisse zu erzielen.

Recht neu ist der Bereich des Digitaldrucks. Für diese Druckvariante stehen sowohl Schäfte als auch Clips des Stifts zur Verfügung. „Insbesondere bei mehreren Druckfarben oder detailreichen Logos und Motiven ist der Digitaldruck die beste Wahl“, berichtet Geschäftsführer Ritter. Auch wenn Digitaldruck etwas kostenintensiver ist als der herkömmliche Siebdruck, hat er Vorteile: Der Einrichtungsaufwand ist deutlich geringer, da keine Siebe hergestellt werden müssen. Nicht zuletzt deshalb wird Digitaldruck immer öfter nachgefragt.

Daher achtet Ritter auch bei der Entwicklung neuer Schreibgerätmodelle darauf, die Teile möglichst so zu gestalten, dass sie den Anforderungen der Digitaldruckmaschinen entsprechen.

Serienmontage und Technik

Auch im Bereich Montage zeigt sich Ritter nachhaltig. Ein Teil der Schreibgeräte wird künftig von einer restaurierten Maschine zusammengesetzt. „Wir hatten eine Maschine für die Serienmontage, die zuletzt in Eigenleistung mit unseren Werkzeugbauern und unseren Technikern zu einem anderen Modell umgebaut wurde. Aktuell läuft die Feinjustierung, dann kann die Maschine loslegen“, erläutert Ritter.

Der Vorteil der maschinellen Serienmontage liegt darin, dass sie sehr viel schneller abläuft als die Montage der Schreibgeräte per Hand. Die restaurierte Maschine wurde daher auf ein neues Modell umgestellt, um den Arbeitsablauf zu beschleunigen. Auch hier zeigen sich für die Geschäftsführer wieder die Vorteile des hauseigenen Werkzeugbaus: „Unser Team hat die Maschine in Eigenleistung restauriert. Die Einrichtung über den Hersteller wäre sehr teuer gewesen, so konnten wir dies selbst erledigen. Auch im Falle technischer Defekte ist es lohnenswert, dass sich jemand so gut mit der Maschine auskennt, dass wir sie im besten Fall mit wenigen Handgriffen wieder reparieren können. Das sind Schritte, die die Öffentlichkeit so gar nicht mitbekommt, die für uns aber extrem nachhaltig und hilfreich sind“, erläutern sie.

Ritter leben

Trotz der Maschinen für die Serienmontage können nicht alle Modelle so zusammengesetzt werden, daher werden einige Schreibgeräte im Unternehmen oder von Heimarbeitern per Hand bzw. mit Hilfe von Montagevorrichtungen montiert. Bei den Heimarbeitern handelt es sich teilweise um ehemalige Mitarbeitende oder Ortsansässige, die sich durch diese Arbeit einen Nebenverdienst sichern.

Neben den Heimarbeitern spielen Auszubildende eine wichtige Rolle für Ritter. Auch Frank den Daas hat seine Ausbildung bei Ritter absolviert. Das Motto „Bei Ritter lernen, bei Ritter bleiben“ ist für uns extrem wichtig. Im kaufmännischen Bereich haben wir einen Großteil der heutigen Angestellten selbst ausgebildet“, weiß der ehemalige Azubi.

Die Vorteile einer Ausbildung bei Ritter kennt den Daas aus eigener Erfahrung: „Die Chancen, übernommen zu werden, sind auf jeden Fall sehr gut. Wer sich gut anstellt und Lust hat, bekommt die Möglichkeit, bei Ritter zu bleiben. Selbst wenn sich nicht direkt eine passende Stelle ergibt, wir aber Potenzial sehen, suchen wir Möglichkeiten, um den Azubi zu halten.“ Auch das Durchlaufen der unterschiedlichen Abteilungen erkennt den Daas heute als positiven Aspekt: „Auch ich habe in meiner Ausbildung in der Druckerei gearbeitet. Später, als ich den niederländischen Markt betreut habe, konnte ich den Kunden genau erklären, welche Möglichkeiten es gibt.“

Ähnlich wie beim Zukauf von lokalen Produkten setzt Ritter auch bei der Rekrutierung von Personal auf Lokalität. „Bis Darmstadt dauert es morgens gerne eine Stunde oder länger. Wenn sich jemand entscheidet, hierher zu ziehen oder zu bleiben, dann bleiben die Leute auch gerne im Unternehmen“, so Ritter.

Auch wenn nicht jeder Auszubildende Geschäftsführer werden kann, ist es dem Führungspersonal wichtig, dass jeder Mitarbeiter sich gesehen fühlt. „Wir haben regelmäßige Meetings, in denen dann immer wieder jemand Ideen einbringt. Das kann hinsichtlich neuer Materialien oder ganz anderer Punkte sein. Als Team schauen wir dann, ob die Idee umsetzbar ist. Wichtig ist, dass es keine Barrieren gibt, auch nicht zur Geschäftsführung“, bestätigen die Geschäftsführer.

„Unser Vorsatz ist es, mit jedem Mitarbeiter auch immer wieder persönlich ins Gespräch zu kommen. Neben dem täglichen Smalltalk ist uns das, gerade als mittelständisches Unternehmen, sehr wichtig“, ergänzt Ritter.

Blick in die Zukunft

Für die Zukunft hat der junge Geschäftsführer zahlreiche Pläne mit dem Traditionsunternehmen. „Wir möchten unsere Marken präsenter machen. Dazu gehört, dass wir für die Industriekunden präsenter werden und Ritter Cares weiter fördern. Aber auch Ritter Tech soll noch bekannter werden, denn viele Unternehmen, auch hier aus der Region, wissen gar nicht, dass wir auch für externe Unternehmen produzieren“, führt den Daas aus.

„Wir entsprechen mit unseren Anforderungen dem Zeitgeist, produzieren lokal und nachhaltig. Auch wenn Schreibgeräte Streuartikel sind, sind sie Botschafter, und mit einer guten, fundierten Geschichte wie unserer erhält man ein wertiges Produkt, das der Kunde schätzen wird“, ergänzt Ritter.

Mit Erfindungsreichtum, einem jungen, motivierten Team und einer guten Portion Stolz auf den eigenen Betrieb schreitet Ritter-Pen so dem 100-jährigen Jubiläum mit großen Schritten entgegen.

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